Gedichte


Differenzierung


Einen Kompromiss zu machen
ist etwas anderes als in einem zu leben,
sich vom Schicksal bei Zeiten treiben zu lassen
etwas anderes als sich gänzlich zu ergeben.

Einem Menschen zu verzeihen
ist etwas anderes als tausende weiterer Fehler zu erlauben,
Kirche und Religion von sich zu weisen
etwas anderes als an nichts zu glauben.

Eine Handlung zu erklären
ist etwas anderes als sie zu relativieren,
einer Aussage zu widersprechen
etwas anderes als zu zensieren.

Eine Sache nicht zu verstehen
hat mit Dummheit nicht zwingend etwas gemein,
doch mangelnde Differenzierung
dürfte ihr da schon ähnlicher sein.

 

krieg.exe


Da ist ein dunkler Schatten,
ein ewig blinder Fleck,
warum werden wir geflutet,
wo ist bloß dieses Leck?

Da ist ein lautes Knacken,
eine Störung im Gespräch,
vielleicht ist ja die Handhabung
unsachgemäß.

Da ist ein gefährliches Virus,
ein Fehler im System,
was machen wir nur ständig falsch,
wo liegt das Problem?

Es ist immanent
und keine Anomalie,
ein natürlicher Aspekt
unserer Neurologie,
so lange wir noch Menschen sind
und etwas anderes werden wir nie,
gibt es nur in begrenztem Maße
Frieden und Harmonie.

 

Gedanken eines Atheisten


Der Grund dafür, dass ich nicht glaube
ist die verräterische Einfachheit,
Strukturen fern der Wissenschaft
als Stempel der Vergangenheit.

Der Grund dafür, dass ich nicht glaube
ist die vertraute menschliche Signatur,
begründet in der ewigen Angst
vor dem Ticken unserer Uhr.

Der Grund dafür, dass ich nicht glaube
ist, dass Zufall uns fremd erscheint,
dass Unglück stets Begründung sucht
wie auch der Hass, der in uns keimt.

Der Grund dafür, dass ich nicht glaube
ist die Gewalt, die dadurch geschieht,
Jahrtausende voller Tod und Leid,
ohne dass Gott Konsequenzen zieht.

Der Grund dafür, dass ich nicht glaube
ist, dass wir selbst verantwortlich sind,
dass dort, wo Menschen an Menschen glauben,
das eigentliche Glück beginnt.

 

Freiheit


Wir glauben, frei zu handeln,
doch hängen an so vielen Fäden
und alle verfügen über ausreichend Macht,
uns ein Stück weit zu bewegen.

Wir glauben, frei zu sprechen,
doch Worte sind begrenzt zur Verfügung gestellt
in einem vereinfachten, reduzierten System
als unzureichendes Abbild unserer Welt.

Wir glauben, frei zu denken,
doch sind geprägt von tausend Dingen,
Erziehung, Freunden, Idolen, Genetik,
länger als wir uns entsinnen.

Wir glauben, frei zu sein,
sind es letztendlich nur in abgesteckten Grenzen
und doch lohnt es sich zu jeder Zeit,
für ein bisschen mehr zu kämpfen.

 

Leere


Wir füllen unsere Leere
mit himmlischen Illusionen,
mit angestaubten Büchern,
paradiesischen Visionen.

Wir füllen unsere Leere
mit Fitness, Yoga und Meditation,
mit Gewichten, an Geräten,
dem 1. Platz im Marathon.

Wir füllen unsere Leere
mit Aktien, Gold und Wertpapieren
und wenn es sein muss lässt sich auch
mit Menschen spekulieren.

Wir füllen unsere Leere
mit dem nächsten, schnellen Schuss,
Ekstase, nächtelangen Partys,
Alkohol im Überfluss.

Wir füllen unsere Leere
mit Dekadenz und Sinnlichkeit,
mit billigem Sex und falscher Liebe,
die uns für den Moment befreit.

Wir füllen unsere Leere,
lachen und tanzen sie nieder,
doch nach jedem lauten Rausch
kommt sie umso stärker wieder.

 

Schwanengesang


Für die finale Symphonie
bin ich einfach noch nicht bereit,
es klingt nicht wie es klingen soll,
ich brauche noch mehr Zeit.

Ich arbeite am richtigen Takt
und auch der Rhythmus stimmt noch nicht,
die einzelnen Instrumente sind
nicht ausgewogen abgemischt.

Noch viel zu viele schiefe Töne
und kaum eine erkennbare Struktur,
Höhen und Tiefen nicht ausgeglichen,
zu viel Moll, zu wenig Dur.

Es fehlt das gewisse Etwas,
das für die Gänsehaut verantwortlich ist,
das Tränen in die Augen treibt
und mitten in die Herzen trifft.

Die Melodie bleibt unvollständig,
bis deine Ankunft die letzten Noten enthüllt,
bis dein wundervoller, sanfter Klang
den schönen Rest meines Lebens erfüllt.

 

Panzerhaut


Unter meiner Panzerhaut
bluten alte Wunden unentwegt,
von außen sieht man nicht im Ansatz,
was im Innern vor sich geht.

Unter meiner Panzerhaut
tobt eine qualvolle Schlacht,
Wut und Angst kämpfen zu meinen Lasten
um ihren Teil der Macht.

Unter meiner Panzerhaut
lässt sich der große Schmerz verbergen,
all die spitzen Nadeln, langen Messer
und unzählbaren Scherben.

Unter meiner Panzerhaut
hat es aber auch die Liebe schwer,
ihre Kraft schwindet und irgendwann
ist sie dort nicht mehr.

 

Ein neuer Versuch


Du spürst dich verschwinden
lange vor dem Ende deiner Zeit,
hältst an zerbröselnden Stücken fest
aus ältester Vergangenheit.

Du löst dich auf in dem Dampf,
der auch deinen Spiegel beschlägt
und lässt dich umspinnen vom Staub,
der sich schwer auf deine Seele legt.

Du redest kaum mehr ein Wort
und flüsterst nur noch zu dir selbst,
keines der flehenden Worte hallt wider,
das du hinauswarfst in die Welt.

Doch du siehst eine schwache Blume,
die durch asphaltierte Straßen bricht,
vielleicht scheint hier, im Dunkel der Stadt,
auch irgendwo für dich noch Licht.

Richte dich auf und schau nach vorn,
dein Leben ist noch nicht vorbei,
klopfe den Staub von deinem Innern
und wische den Spiegel wieder frei.

Mit vollen Händen greift es sich schlecht
nach den Chancen, die noch vor dir liegen,
und auch wenn du oft gefallen bist,
wirst du wieder fliegen.

 

Ein Liebesgedicht für zwischendurch


Ich spüre dein Lächeln
als unaufhaltsame Kraft,
Vernunft kann nicht beschreiben,
was es mit mir macht.

Ich spüre deine Berührung
als ein Beben auf der Haut,
deinen Blick, der mir mit Leichtigkeit
jedes Mal die Sinne raubt.

Ich spüre deinen Herzschlag
als Ruhepol in einer hektischen Welt,
jedes Wort von dir ist Hoffnung,
die sich schützend vor mich stellt.

Ich spüre deine Liebe
als Heilung meiner Wunden,
ich weiß, in deiner Güte
liegen meine letzten Stunden.


Existenz +


Hast du je die Sonne gesehen
und den kühlen Windhauch gespürt,
hast du je unter steinigem Grund
die reichhaltige Erde berührt?

Hast du je den Regen gefeiert,
hat dich der Blitz je elektrisiert,
hast du jemals Feuer geatmet,
wenn die Welt im Eis erfriert?

Hast du je die Meere geteilt,
jemals den Kern der Welt gesehen,
warst du je auf dem Regenbogen,
um auf Farben spazieren zu gehen?

Hast du die kleinen Dinge genossen
und Unmögliches angestrebt,
existierst du nur
oder hast du auch gelebt?

Auffangnetz

Ich hoffe, du hast alles,
was du für deine Ruhe brauchst
und dass du voller Stolz
zufrieden in den Spiegel schaust.

Ich hoffe, deine Narben
sind kaum mehr zu sehen
und dass du heute schwimmst
ohne unterzugehen.

Ich hoffe, du bist stark,
durchbrichst die alten Mauern
und erkennst all die Gefahren,
die im Dunkeln lauern.

Ich hoffe, deine Augen leuchten
wie damals zu unserer schönsten Zeit
und dass dir deine Zukunft
ihre besten Wege zeigt.

Und wenn du doch in die Tiefe fällst,
dann schäme dich nicht dafür,
mach dich auf den Weg und klopfe
mit letzter Kraft an meine Tür.

Eines Tages

Eines Tages wache ich auf
und die Wunden sind verheilt,
Sonne und Regen, Licht und Schatten,
sind dann anders verteilt.

Eines Tages wache ich auf
und bin weiser als ich es jemals war,
ich träume mit geöffneten Augen
und sehe dennoch klar.

Eines Tages wache ich auf
und atme nur noch Leidenschaft,
aus jeder Tat und jedem Wort
wächst ständig neue Kraft.

Eines Tages wache ich auf
und bin größer als jemals zuvor,
ich halte mehr in Händen
als ich einst verlor.

Eines Tages wache ich auf
und der schönste Ort ist hier,
nach all den langen, harten Nächten
liegst du endlich neben mir.

Gefühlslehre

Ausgerechnet die Gedanken,
die ich versuche, zu verdrängen,
bleiben nach jedem Anblick von dir
noch lange im Bewusstsein hängen.

Ausgerechnet die großen Worte,
die ich versuche, für mich zu behalten,
finden den Weg zwischen die Zeilen,
wo sie jeden Satz gestalten.

Ausgerechnet die Gefühle,
die ich versuche, zu überdecken,
lassen sich vor deinen schönen Augen
einfach nicht verstecken.

Ausgerechnet dieses Gesicht,
dieses Herz und dieser Geist
lehren mich, so schmerzhaft es auch ist,
was zu fühlen wirklich heisst.

Ein Vorschlag

Sei der, der Menschen Hoffnung gibt,
auch wenn du selbst noch nach ihr suchst,
sei der, der die Hand zur Rettung reicht,
auch wenn du selbst nach Hilfe rufst.

Sei die, die Schönheit in anderen sieht,
auch wenn du dir deine nicht eingestehst,
sei die, die Fehler anderer verzeiht,
auch wenn du selbst um Vergebung flehst.

Sei der, der andere Menschen heilt,
auch wenn du verwundet am Boden liegst,
sei der, der anderen Flügel verleiht,
auch wenn du selbst nicht fliegst.

Sei die, die andere verzaubert,
auch wenn die Magie in deinem Leben fehlt,
sei die, die anderen Selbstvertrauen gibt,
auch wenn dich selbst der Zweifel quält.

Seid die, die Herzen berühren
und deren Taten Wunder vollbringen,
die das Gute auch erwachsen lassen
aus all den schlechten Dingen
und deren Worte in den schwierigsten Zeiten
immer noch nach Liebe klingen.

Diese und jene

Die einen versuchen krampfhaft, jung zu bleiben,
die anderen werden würdig weise und alt,
die einen verschwenden Zeit für die Jagd nach Luxus,
die anderen arbeiten für mehr als ihr Gehalt.

Mit den einen friert man auch im Sommer,
mit den anderen ist es nicht einmal im Winter kalt,
die einen lassen schon bei einem Windzug los,
die anderen bieten im Sturm noch Halt.

Das Erbe der einen ist eine karge Wüste,
das der anderen ein blühender Wald,
die Spuren der einen sieht man nur im Schnee,
die der anderen hingegen tief im Asphalt.

Versprechen

Mit dir im Regen zu tanzen
und unter der Dusche zu singen,
dich, wenn dir zum Weinen ist,
zum Lachen zu bringen.

Deine Vergangenheit vergessen
und deine Tage unvergesslich zu machen,
dir in der Gegenwart und der Zukunft
einen Rückzugsort zu schaffen.

Deine Wege stets zu ebnen,
dich bei all deinen Plänen zu unterstützen
und ganz gleich vor wem oder was,
dich immer zu beschützen.

Gelassen in eine gemeinsame Zukunft zu blicken,
doch voller Aufregung vor dem Traualtar zu stehen,
auch in Jahren unsere Liebe noch zu schätzen
und in den Augen unserer Kinder zu sehen.

Das alles verspreche ich dir,
wenn der Moment endlich gekommen ist,
in dem wir an dieser einen Kreuzung stehen,
an der mein Weg auf deinen trifft.

Minus Herz

Halbgar oder aufgewärmt,
zubereitet auf mittlerer Temperatur,
ein einzelnes Kalenderblatt oder ein Zeiger
auf einer halben Uhr.

Die Handbremse fest angezogen,
mit gedrosseltem Motor und ungern bergauf,
nur auf asphaltierten Straßen
und nur geradeaus.

Mit zugezogenem Vorhang,
einer Maske auf dem Gesicht,
dick in Kleidung eingepackt,
bei gedämmtem Licht.

Ohne Mut, auf flachem Land,
doppelt versichert mit alternativer Option,
mit Netz und doppeltem Boden,
auf einem stabilen Balkon.

Das ist nicht, was ich will,
besonders dann nicht, wenn es um die Liebe geht,
denn was nützt ein zerrissener Schirm,
wenn man im strömenden Regen steht.

Mit dir

Mit dir fühlt es sich an wie Glück,
in sicheren Händen aufgenommen,
wie Wärme und Geborgenheit,
wie zu Hause anzukommen.

Mit dir fühlt es sich an wie Ruhe,
ein Ort wie eine Utopie,
ein guter Platz in einer schlechten Welt,
voll tiefer Harmonie.

Mit dir fühlt es sich an wie Leben,
in endlos freier Leidenschaft,
innig, humorvoll an jedem Tag,
ungehemmt in wilder Nacht.

Mit dir fühlt es sich an wie Hoffnung,
respektiert zu werden, wie man ist,
den anderen glücklich anzusehen,
zu wissen, dass man nichts vermisst.

Gedicht für eine Mörderin

Du hast meinen Spiegel zerschlagen,
erbarmungslos und voller Wucht,
Scherben haben sich hineingebohrt,
tief in meine Brust.

Du hast mit glänzend schöner Klinge
den großen Traum vom Geist getrennt,
die Hoffnung wiederholt zerstückelt,
sodass man sie nicht mehr erkennt.

Du hast nicht nur meine Hand verbrannt,
Flammen bedeckten meine ganze Haut,
sie fraßen sich bis in die Seele,
erstickten sie in dichtem Rauch.

Du hast mich getötet vor vielen Jahren
und doch schreibe ich heute dieses Gedicht,
denn eines sollst du über mein Ende wissen:
Du bist es nicht.

Lichter

Oh ihr strahlenden Lichter,
einst ward ihr meine Ewigkeit,
gestern die Hoffnung auf eine Zukunft,
heute Geister der Vergangenheit.

Habt meine Welt errichtet
und oft selbst zum Einsturz gebracht,
zu allem, was ich heute bin,
habt ihr mich gemacht.

Manchen habe ich vergeben,
andere schulden mir noch Stücke meiner Seele,
die schönsten Momente von damals sind die,
mit denen ich mich heute quäle.

Ab und zu hat mein Herz den Himmel berührt,
bevor es in der Hölle brannte,
oftmals nahm ich an, zu fliegen,
als ich gegen Wände rannte.

Ich habe stets für kurzes Glück
einen viel zu hohen Preis bezahlt,
doch eines Tages, wenn das Schicksal
diesen einen Stern an meinen Himmel malt,
werdet ihr, oh ihr strahlenden Lichter von damals
allesamt noch überstrahlt.

Wunder

Wenn die Wahrheit bröckelt,
um mich herum nur Lügner stehen,
die Worte wie Hülsen um sich schießen
und wie es passt die Welt verdrehen,

wenn großes Gefühl verblasst,
man körperliche Nähe nur mit Trieben verbindet,
die Vorstellung einer endlosen Liebe
irgendwo im Nichts verschwindet,

wenn die Zeit davon läuft,
der seidene Faden immer dünner wird,
die Menschen zu Tausenden verenden
und die Erde stirbt,

dann wünsche ich mir die Kindheit zurück,
die Tage, an denen ich aus dem Fenster schaute,
in den weiten blauen Himmel sah
und an große Wunder glaubte.

Unsterblichkeit

Ich hoffe, dass jemand
meinen Worten noch Bedeutung schenkt,
dass manche davon auch dann noch widerhallen,
wenn niemand mehr die Quelle kennt.

Ich hoffe, dass jemand
voller Leidenschaft etliche meiner Kämpfe führt
und mindestens ein weiteres Leben lang
meinen Funken in sich spürt.

Ich hoffe, dass jemand
aus tiefstem Herzen um mich weint,
wenn in schönen Momenten mein Bild
ab und an im Inneren erscheint.

Ich hoffe, dass du
am Ende immer noch bei mir bist
und mir sagst, dass nichts auf der Welt dazu führen wird,
dass du mich vergisst.

Der Weg

Vielleicht wird es mühsam,
vielleicht ein langer Weg,
vielleicht ein Sprung ins kalte Wasser
von einem morschen Steg.

Vielleicht wird es steinig,
vielleicht regnet es den ganzen Tag,
vielleicht säen wir mühevoll
für kaum einen Ertrag.

Vielleicht wird es dunkel,
vielleicht nur selten wirklich hell,
vielleicht dauern die Nächte ewig
und Tage vergehen schnell.

Vielleicht wird es nicht immer leicht,
doch wenn ich in deine Augen sehe,
wenn deine Hand in meiner liegt,
ich die Sache mit der Liebe richtig verstehe,
dann weiss ich, dass ich diesen Weg
bis zum Ende mit dir gehe.

Utopia

Ich bin für eine Gesellschaft,
in der Mitgefühl jederzeit über Patriotismus steht,
in der man, ganz gleich woran man glaubt,
gemeinsam schwere Wege geht.

Ich bin für eine Gesellschaft,
in der Liebe in allen Facetten möglich ist,
die Ehe nicht an der Zusammensetzung,
sondern einzig am Gefühl bemisst.

Ich bin für eine Gesellschaft,
die den Schwächeren Millionen starker Hände reicht,
und zum Schutz vor jedweder Gefahr
nicht von deren Seite weicht.

Ich bin für eine Gesellschaft,
die dem Einzelnen die Freiheit dort erlaubt,
wo dieser einem anderen
die seine nicht raubt.

Ich bin für eine Gesellschaft,
die auch unter Druck zusammenhält,
und ich wünsche sie mir nicht nur für unser Land,
sondern für die gesamte Welt.

Das Telefon

Es klingelt und es klingelt,
irgendwann hat es angefangen,
von da an bis zum heutigen Tag
ist einfach niemand rangegangen.

Manche hören es bei Zeiten,
doch haben einfach zu viel zu tun
und wenn dann doch mal Pause ist,
hat man sich ja auszuruhen.

So scheint es dem einen nicht so wichtig,
der andere hat es nie gehört
und niemand nimmt den Hörer ab,
weil es niemanden wirklich stört.

So verstreichen die Jahre
mit dem Klingeln im Hintergrund,
manchmal lauter, manchmal leiser
tut es sein Bedürfnis kund.

Und dann eines Tages,
wie es eben so geht,
endet der Ton abrupt
und keiner versteht:
Das Klingeln war die lange Warnung
und nun ist es zu spät.

Hintergrund, Teil 2 (Motivation)

Ich modelliere Hände aus Worten,
die mehr als meine Welt bedeuten,
die mich fangen und behüten,
Hoffnung nähren, Leid betäuben.

Ich wechsle täglich meine Gläser,
die meine Gedanken spiegeln,
um Schlösser vor und in mir
endlich zu entriegeln.

Ich schreie meine Sehnsucht
gegen Wände aus Banalität,
auf das mich nur ein einziger Backstein
im großen Ganzen doch versteht.

Ich hoffe auf mein Flüstern,
das sich durch das Dunkel schleicht
und vielleicht im toten Winkel
irgendwo dein Ohr erreicht.

Hintergrund, Teil 1 (Technik)

Ich experimentiere seit Jahren
mit Buchstaben und Silben,
verschiebe und verrücke sie,
bis sie eine Ordnung bilden.

Ich schreibe ein Gemälde
und formuliere neue Welten,
Landschaften aus Versen,
in denen meine Regeln gelten.

Ich komponiere meine Lieder
aus melancholischer Konnotation,
immer frei und doch zu Hause
in meiner Intention.

Ich füge Stück um Stück
zu einem gigantischen Mosaik,
in dem sich aus verlorenen Träumen
ein völlig neues Bild ergibt.

Ernüchtert

Ich wundere mich nicht,
dass der Mensch die Natur an den Abgrund treibt,
wo nicht einmal in seinen eigenen Städten
ein Stein lange auf dem anderen bleibt.

Ich wundere mich nicht,
dass wir an ein Paradies im Jenseits glauben,
wo wir doch unserer diesseitigen Erde
nach und nach die Schönheit rauben.

Ich wundere mich nicht,
dass der Mensch bewaffnet um den Globus rennt,
wo er doch alles, was ihm nicht gehört
nur allzu gern sein Eigen nennt.

Ich wundere mich nicht,
dass wir den Wunsch der großen Freiheit hegen,
wo wir doch ständig Grenzen ziehen
und uns nur im Kreis bewegen.

Ich wundere mich nicht,
dass das Herz des Menschen hinter seiner Gier verschwindet,
wo man zwischen Scheinen und Münzen
keine echten Werte findet.

Ich wundere mich nicht,
dass wir Angst vor unserer Zukunft haben,
wo wir sie doch an jedem einzelnen Tag
Stück um Stück zu Grabe tragen.

Weil Liebe so ist

Ob mit einem ausgefallenen Stil,
der verwirrte Blicke auf sich zieht,
ich werde dich lieben,
weil es dich so nur einmal gibt.

Ob mit einem riesigen Tattoo,
das den ein oder anderen stört,
ich werde dich lieben,
weil es ganz und gar zu dir gehört.

Ob mit einer fremden Herkunft,
die man hier und da kritisch betrachtet,
ich werde dich lieben,
weil Liebe auf so etwas nicht achtet.

Ob mit einer tiefen Religion,
für die den meisten das Verständnis fehlt,
ich werde dich lieben,
weil sie eben für dich zählt.

Ob mit einer anderen Hautfarbe,
die dich noch immer zum Außenseiter macht,
ich werde dich lieben,
weil sie so wunderbar zu dir passt.

Ob mit einer großen Schwäche,
an dessen Stelle ein anderer eine Stärke vermisst,
und mit all den Ecken und Kanten,
die man im Wahn nach Perfektion vergisst,
ich werde dich lieben,
weil so nun mal die Liebe ist.

Sinn X (2015 Version, Variante 2)

Wir warten auf manch großes Wunder,
das vielleicht niemals erscheint,
Menschen kommen nicht zurück,
auch wenn man rührend um sie weint.

Es wird gehört, wer am lautesten schreit,
während niemand die Stille wirklich versteht,
wir halten Ausschau nach Perfektion,
auch wenn die Schönheit an Krücken geht.

Ob Schicksal oder Zufall,
haltlos schweben wir umher,
auf der Suche nach dem großen Traum
wiegen unsere Ängste schwer.

Wir drängen Richtung Sonne,
auch wenn sie uns verbrennt,
in der Sehnsucht danach, dass wenn wir sterben
jemand unseren Namen kennt.

Ganz gleich ob wir letztendlich
gedanklich gegen Wände rennen,
so beruhigt es uns doch ein wenig,
zu glauben, einen Sinn zu kennen.

Sinn X (2015 Version, Variante 1)

Vieles wurde nicht an einem Tag erbaut,
doch zumeist an einem zerstört
und manchmal muss ein Mensch erst sterben,
bevor man ihn erhört.

Vieles wird so groß betitelt,
doch wirklich Großes kaum gesehen,
während manche wie auf Wolken schweben,
müssen andere auf Scherben gehen.

Vieles wurde ein Leben lang versucht,
doch nicht im Ansatz je erreicht
und mancher, der nie wirklich kämpfte
hat es viel zu leicht.

Vieles wird lange nicht geschätzt,
doch hinterher vermisst
und manchmal, auch wenn niemand sie setzte,
endet eine Frist.

Vieles wurde als Sinn verkauft,
gepredigt und vielfach niedergeschrieben
und doch ist uns, wer oder was auch immer,
das ''Warum'' bis heute schuldig geblieben.

Nachtsicht

Im Dunkel bin ich so viel besser
als in eurem gleißenden Licht,
es macht mich unbesiegbar,
das Leid, das euch zerbricht.

Meine Stille ist so viel lauter
als euer sinnfreies Gerede,
mein Pfad führt so viel weiter
als jeder eurer Wege.

Durch meine Augen sehe ich Winkel,
die euer Sichtfeld nicht erfasst,
ich sehe an den Stellen schärfer,
an denen euer Bild verblasst.

In meinen Tränen fließt mehr Glück
als in euren freudigsten Momenten,
mein Leben beginnt erst richtig dort,
wo eure Träume enden.

Erwachen

So viele verlorene Menschen,
so viele gebrochene Herzen,
so viele unsichtbare Narben
über unterdrückten Schmerzen.

So viele stumme Münder,
so viele starre Augen,
so viele dumme Taten
in sinnentleertem Glauben.

So viele tote Träume,
so viele komplexe Fragen
so viele ungenutzte Chancen
an all den neuen Tagen.

So viele Gräben,
so viele bedrohte Existenzen,
so viele Kriege überall
und genauso viele Grenzen.

So viele Wunden zu heilen,
so viele schwere Wege zu gehen.
es ist nun Zeit, die Augen zu öffnen,
endlich einmal hinzusehen,
aus dem viel zu langen Schlaf
für etwas Großes aufzustehen.

Wintermärchen

Eiskristalle legen sich
sanft auf dein Gesicht,
deine Augen schimmern
im winterlichen Licht.

Frost wandert langsam
von der Haut bis in dein Herz,
es gefriert nun auch die Hoffnung
neben deinem Schmerz.

Das Eis umschließt dich,
als ob es dich in Gänze frisst,
unbeweglich in der Landschaft
findet man dich nicht.

So vergeht die Zeit,
du wartest, erstarrt und konserviert,
weder schreiend noch weinend,
bis etwas passiert.

Auf meinem Weg durch den Schnee
bleibe ich plötzlich stehen,
ich dachte, ich hätte im weißen Nebel
irgendwo ein Schimmern gesehen.

Scheißegal

Es ist mir scheißegal,
dass ich einen Tag verbringe ohne zu lachen
oder es ständig am Samstag versäume,
die lange Nacht zum Tag zu machen.

Es ist mir scheißegal,
dass es Pessimisten schwerer haben
und ich es nicht lassen kann,
nach dem Sinn im Sinn zu fragen.

Es ist mir scheißegal,
dass du dich mit weniger zufrieden gibst
und es eine erwachsene Beziehung nennst,
nur weil du nicht mehr richtig liebst.

Es ist mir scheißegal,
dass dich meine Musik deprimiert
und du glaubst, dass das Leben mit der Trauer
nur an Qualität verliert.

Es ist mir scheißegal,
dass dein Leben eine einzige Party ist
und du, wenn dich keiner mehr bejubelt,
irgendwas vermisst.

Es ist mir scheißegal,
ob man "scheißegal" in einem Gedicht verwendet
und es dann, abrupt, ohne Appell
im selben Vers beendet.

Résumé 1

Du wolltest an die Liebe glauben,
das hast du dir geschworen,
doch zwischen all den Wunden
ging sie schnell verloren.

Du wolltest vom Anfang bis zum Ende
ein erfülltes Leben führen,
doch bereits nach ein paar Jahren
war davon nichts mehr zu spüren.

Du wolltest kämpfen ohne Grenzen,
bis das Leid der Hoffnung weicht,
doch heute bist du derart müde,
dass es kaum zum Durchschnitt reicht.

Du wolltest seit du denken kannst
deinem Herz das Wort verleihen,
übrig sind nur Phrasen, die sich
sinnlos aneinander reihen.

Du wolltest strahlen, wie die Sonne,
sein wie niemand and'rer ist,
garantiert nicht wie der Mensch,
der heute aus dem Spiegel blickt.

Sehnsucht

Gib mir das Gefühl,
die Welt sei ein Teil von mir,
statt umgekehrt, wie sonst,
statt ich als kleiner Punkt auf ihr.

Gib mir das Gefühl,
mein Traum sei Realität,
ohne dass mich der Verdacht
einer schönen Lüge quält.

Gib mir das Gefühl,
die Ewigkeit sei greifbar nah,
der Blick sei in der Liebe
rein und unverkennbar klar.

Gib mir das Gefühl,
in einer schmerzverzerrten Welt
seien wir das große Wunder,
das Hoffnung fest zusammenhält.

Gib mir das Gefühl,
mein Herz sei nicht allein,
sage, meine, lebe es,
dann wird es auch so sein.

Für eine Chance

Nimm all deine Energie,
all deine Stärke, all dein Licht,
hole aus zu einem letzten Versuch,
auch wenn dein Herz dabei zerbricht.

Tu Dinge, die andere nicht verstehen,
die sinnlos und verloren scheinen,
nutze all die schönen Worte,
die sich auf Vernunft nicht reimen.

Entfache Brände, erleuchte den Himmel,
lass die Erde zu deinen Füßen erbeben,
durchbreche Mauern, die sich hoch
zwischen dir und ihr erheben.

Kämpfe, bis du zu Boden sinkst,
bis die Zeit dich fast besiegt,
wenn es auch nur die kleinste Chance
auf die echte Liebe gibt.

Erwachsen

Der Himmel ist wolkig,
das Herz ist bedeckt,
Phantasie ist endlich,
die Unschuld befleckt.

Das Böse ist Wahrheit,
das Gute Klischee,
alles schmerzt gleich,
doch nichts tut wirklich weh.

Charakter ist wertlos,
Namen sind zu groß,
Geld fängt auf
und Freunde lassen los.

Höhepunkte sind geplant,
Freuden standardisiert,
Identitäten sind gekauft
und Wünsche infiltriert.

Die Sterne sind Gesteine,
Liebe ein chemischer Prozess,
der Anfang ist berechnet,
das Ende ist gesetzt.

Das Alter ist Entscheidung,
unter dem Altern nicht zu leiden,
zu wachsen und doch bis zum Ende
immer auch noch Kind zu bleiben.

Benzin

Benzin über unsere Begegnung,
die Begrüßung und jedes weitere Wort,
Benzin über jedes unserer Treffen
an jedem gottverdammten Ort.

Benzin über jede Berührung,
jeden Blick und jeden Augenschlag,
Benzin über all die Zeit mit dir,
jede Stunde, jeden Tag.

Benzin über meine Hoffnung,
über jedes leere Versprechen,
Benzin über alle deine Taten,
all deine Verbrechen.

Benzin über mein Herz,
das Feuer wird es ganz zerstören,
aus der Asche wird es auferstehen
und endlich wieder mir gehören.

Überfahrt

Von meinem kleinen Schiff aus
kann ich längst kein Land mehr sehen
und beim nächsten, großen Sturm
wird es einfach untergehen.

Das Meer, das einst gerufen hat,
scheint nun endlos groß und leer,
die Zeit, in der der Mut mich führte,
ist viel zu lange her.

Die Planken sind morsch und brüchig,
die Segel löchrig und gerissen,
der Mann, der mir das Schiff verkaufte,
hat mich wohl beschissen.

Die Kraft verlässt die müden Hände,
das Steuern fällt mir schwer,
ich sinke erschöpft und müde zu Boden,
der kalte Wind, er schwächt so sehr.

Da weckt mich eine leise Stimme,
die aus weiter Ferne ruft,
die vielleicht wie ich seit Jahren
am Horizont nach Hoffnung sucht.

Eine letzte schwere Überfahrt
muss mein Schiff noch überstehen,
ich fahre bis es ganz zerbricht,
bis wir beide Land sehen.

Begegnung

Der Himmel wird in Flammen stehen,
vom einen zum anderen Moment,
die Kälte wird sich tief verneigen,
wenn alles in uns brennt.

Die Schwerkraft wird uns nicht mehr halten,
die Sorgen weichen purem Glück,
die Unschuld, die verloren ging,
kehrt zu uns zurück.

Ich werde den Lauf dieser Welt verstehen,
vom Anfang bis zum Ende der Zeit,
und sollte ich den Halt verlieren,
so bin ich dann bereit.

Das Schicksal wird dich dorthin führen,
wo es mich zum Warten zwingt,
irgendwo ist eine Kreuzung,
die uns zueinander bringt.

Ich könnte

Ich könnte mich öffnen,
Vorurteile vermeiden,
doch ich bin ein Mensch,
ich kann euch nicht leiden.

Ich könnte hilfsbereit sein,
sie lindern, eure Qual,
doch ich bin ein Mensch,
ihr seid mir egal.

Ich könnte demütig sein,
genügsam und bescheiden,
doch ich bin ein Mensch,
ihr sollt mich beneiden.

Ich könnte vergeben,
deine Lage verstehen,
doch ich bin ein Mensch,
ich will Blut sehen.

Ich könnte akzeptieren,
dass es mehr gibt als mich,
doch ich bin ein Mensch,
lieber sterbe ich.

Heilig

heilig ohne Mut,
heilig mit dunkler Vergangenheit,
heilig haftend an Traditionen,
heilig fern der modernen Zeit.

heilig ohne Vernunft,
heilig ohne Toleranz,
heilig im prunkvollen Kleinstaat,
heilig und ignorant.

heilig ohne Augenmaß,
heilig ohne Gerechtigkeit,
heilig ohne Wahrheit,
heilig ohne Heiligkeit.

Zurück

Was ich verloren habe,
was man mir nahm,
was weggespült wurde
und nicht mehr zurück kam.

Was eingestürzt ist,
was einst in den Himmel ragte,
was Errungenschaft war,
von der man nicht zu träumen wagte.

Was Leid von mir fern hielt,
was Träume wirklich werden ließ,
was in einsamen, dunklen Zeiten
stets an meiner Seite blieb.

Was mich stärkte,
was ich unbedacht zerstörte,
worum ich betrogen wurde,
was mir gehörte.

Ich kämpfe und kämpfe
um altes und um neues Glück,
und wenn es auch noch vor mir liegt,
vom Weg das allergrößte Stück,
welchen Preis ich auch bezahlen muss,
ich hole es zurück.

Dagegen

Ich sage gerne meine Meinung,
Substanz und Inhalt - nicht so wichtig,
Hauptsache, man hört mir zu,
wer mir zustimmt, der liegt richtig.

Alternativen gibt es nicht,
alternativ muss es schon sein,
ich bin grundsätzlich dagegen,
mein Lieblingswort ist "nein".

Ich demonstriere, so oft es geht,
viel läuft falsch in diesem Land -
Atomkraft, Kapital, Besitz
und das böse Flaschenpfand.

Hausbesetzung ist nicht schlimm,
wir hauen alles kurz und klein,
und für die gute, gerechte Sache
fliegt auch mal ein Stein.

Ich rebelliere gegen alles,
ob es Sinn macht oder nicht,
was der Staat auch immer plant,
da mache ich nicht mit.

Herzmikroskop

Untersuche jede Narbe,
jeden Einschuss, jede Kerbe,
jeden Schnitt, jede Fraktur,
jede steckende Scherbe.

Untersuche jede Wunde,
jede schmerzhafte Gravur,
jeden Bruch, jeden Verschleiß,
jeden Riss und jede Spur.

Untersuche jede Träne,
jedes verschwendete Wort,
jede ernüchternde Erkenntnis,
an jedem tristen, toten Ort.

Untersuche jede Schwäche,
jeden ermordeten Traum,
jeden unterdrückten Schrei
im sinnentleerten Raum.

Dann findest du auch ebenso
jede Chance, jedes flackernde Licht,
den Anfang einer neuen Liebe
für niemanden als dich.

Mensch

wir alle sind gezeichnet,
wir alle sind verloren,
wir alle sind verbrannt,
wir alle sind erfroren.

wir alle sind brüchig,
wir alle sind nackt,
wir alle sind entzweit,
wir alle sind zerhackt.

wir alle sind gegeißelt,
wir alle sind gequält,
wir alle sind verdammt,
wir alle sind verfehlt.

wir alle sind schwach,
wir alle sind endlich,
wir alle sind entleert,
wir alle sind menschlich.

Stimme

Ich bin die Stimme in deinem Kopf,
ich vertrete eines anderen Leid,
ich bin nicht selten die allerletzte,
die einzige Gerechtigkeit.

Ich bin die Stimme in deinem Kopf,
die bereuen lässt, zur Beichte zwingt,
die legitime Form der Rache,
die dich zur späten Einsicht bringt.

Ich bin die Stimme in deinem Kopf,
die keinem deiner Worte weicht,
die Ausreden verhallen lässt
und "schuldig" in die Stille schreit.

Ich bin die Stimme in deinem Kopf,
die du versuchst, zu ignorieren,
doch selbst mein Flüstern ist laut genug,
um dich zu dominieren.

Ich bin die Stimme in deinem Kopf,
ich verweile, quälend und verbissen,
ohne mich wärst du ein Monster,
ich bin dein Gewissen.

Beschwerdeschrift

Ich muss mit dem Architekten sprechen,
der mein Haus konstruierte,
ein ernstes Wort,
was ihn hierzu inspirierte.

Ein Gebilde von Träumen, zu hoch,
um dem Wind standzuhalten,
ein System, zu verworren,
um es zu verwalten.

Ohne Notausgang ist es gebaut,
mit viel zu kleinen Fenstern,
und nachts, in den Gängen
wimmelt es von Gespenstern.

Die Zimmer sind viel zu groß,
einen Aufzug gibt es nicht,
und bei jeder Stufe muss ich fürchten,
dass alles zusammenbricht.

Also schicken sie jemanden vorbei,
der das Haus stabilisiert,
der es verwaltet und beleuchtet,
der es bunt und freundlichen renoviert,
die Gespenster vertreibt
und mich inspiriert.

Identität

Ich bin
ein Zwischenstopp auf meiner Reise,
ein Punkt auf meiner Karte,
ein Abschnitt meiner Gleise.

Ich bin
ein Abdruck meiner Hände,
ein Schatten an meiner Wand,
eine Spur in meinem Gelände.

Ich bin
eine Porzellanfigur auf meiner Kommode,
der Spiegel meines Spiegelbilds,
eine Analyse meiner eigenen Methode.

Ich bin
die Unverwundbarkeit meiner Fragilität,
ein Bruchteil aus einem Bestand
von Identität.

Ehrlich

Wäre ich nicht so leer,
wäre das Nachdenken nicht so gefährlich,
ich würde dir ein Gedicht schreiben,
ehrlich.

Wäre mein Herz nicht so verletzt,
wären die Erinnerungen entbehrlich,
meine Zuwendung gehörte dir,
ehrlich.

Wäre das alles leichter,
wäre all das einfach nicht so beschwerlich,
ich würde dich küssen,
ehrlich.

Anker

Vertraue darauf, dass wenn ein Sturm
dein Leben aus den Fugen reißt,
niemals alles zu Ende geht,
ein letzter Halt zum Ausgleich bleibt.

Vertraue darauf, dass wenn ein Krieg
die Liebe dieser Welt zerstört,
den Himmel in die Hölle treibt,
dir immer noch mein Herz gehört.

Vertraue darauf, dass wenn die Nacht
ihre kalten Arme um dich schließt,
Verzweiflung alle Lichter löscht,
dir meine Wärme Hoffnung gibt.

Plastiklachen

Sie lachen auf Kommando,
sie lachen aus Prinzip,
sie lachen für ein Foto,
doch glücklich sind sie nie.

Sie lachen aus Gewohnheit,
sie lachen für den Stil,
sie lachen wie die Profis,
als wäre es ein Spiel.

Sie lachen für die Masse,
sie lachen auch vereint,
sie lachen einfach immer,
auch wenn die Seele weint.

Rechtfertigt, entschuldigt nicht

Sie sagen,
das tut man nicht,
dann meiden
sie dein Gesicht.

Rechtfertigt,
entschuldigt nicht,
Anstand fällt
nicht ins Gewicht.

Sie sagen,
das soll man nicht,
als wären
sie ein Gericht.

Rechtfertigt,
entschuldigt nicht,
nicht einmal
ein kleines Stück.

Sie sagen,
das will man nicht,
erstatten stumpf
und falsch Bericht.

Rechtfertigt,
entschuldigt nicht,
euren Traum
vom großen Glück.

Die Suche

Die Suche nach dem Leben
führt durch starkes Leid,
die Suche nach Gesellschaft
führt durch Einsamkeit.

Die Suche nach der Ruhe
führt durch laute Räume,
die Suche nach der Liebe
führt durch große Träume.

Die Suche nach der Sonne
führt nur durch den Regen,
die Suche nach dem Ziel
endet auf den Wegen.

Hingabe / Toxin

Berühre und stehle
die Unschuld der Haut,
verführt ist das Opfer,
es tut keinen Laut.

Umschlinge und liebe
mich unter Hypnose,
erblühe in Dornen
zum Glanz einer Rose.

Vergifte und lähme
die Tage der Tugend,
verderbe Moral
in nächtlicher Jugend.

Enthäutet, vertrieben,
den klaren Verstand,
dem Himmel viel näher
mit weltlicher Hand.

Einige Zeilen für einen Abend, an dem das intelligenteste
Gedicht gekürt werden soll


Gesichter verzogen
in eine andere Stadt,
die Leidenschaft mit Geld betrogen,
ihr seid nicht hungrig und nicht satt.

Worte vervariiert,
unendlich oft verbogen,
mit Tristheit den Dichter inspiriert,
Ausreden weit in den Himmel verschoben.

Die Sinne vernebelt,
zur Gewohnheit erzogen,
geschickt das Herz ausgehebelt,
mit Mühe und Not zum Durchschnitt erhoben.

Vielleicht

Vielleicht kommt irgendwann der Tag,
an dem sich Dinge wenden,
der Tag, an dem nicht falsche Tage
echte Nächte blenden.

Vielleicht kommt irgendwann der Tag,
an dem ein Traum sich deutlich zeigt,
der Tag, an dem ein Reicher menschlich
dem Armen auf der Straße gleicht.

Vielleicht kommt irgendwann der Tag,
an dem ein Wort der Anfang ist,
ein Tag, an dem wir vorher wissen,
was man später wohl vermisst.

Vielleicht kommt wenigstens der Tag,
an dem du an das alles glaubst,
der Tag, an dem aus deinen Leiden
du Treppen neuer Hoffnung baust.

Zeit 2

Was wir nicht haben,
das ist Zeit.
Der Grund für unser Klagen,
das ist Zeit.

Zeit ist der Schlüssel
zum großen Glück,
Zeit bringt uns Hoffnung
ganz langsam zurück.

Zeit ist die Religion der Gottlosen,
Zeit verändert Gedanken und Posen,
Zeit ist ein unerfüllbarer Wunsch,
Zeit ist das Werkzeug, Zeit ist die Kunst.

Zeit ist ferner
als der unendliche
Raum,
Zeit verkürzt den schönsten,
verlängert den schlimmsten
Traum.

Zeit ist das,
was unsere Ordnung erhält,
Zeit verschleiert
die Geheimnisse der Welt.

Zeit verändert ein Gesicht,
Tages- oder Jahreszeiten,
einen Charakter, ein Gewicht,
Zeiten werden schwerer,
Zeit dreht das Licht,
doch dass sich alles verändert,
das ändert sich nicht.

Zeit

Zeit
vergeht,
bewegt
und versteht.

Zeit
verliert,
vergisst
und zentriert.

Zeit
fixiert,
gewinnt
und regiert.

Zeit
drängt,
nimmt
und schenkt.

Zeit
heilt,
verletzt
und verweilt.